SOCIOS ist eine neue Open-Peer-Review-Plattform für Preprints aus den Sozialwissenschaften, die für die Politikwissenschaft spannende Möglichkeiten für frühe Diskussionen und transparentes Feedback aus der Fachcommunity bietet. Als gemeinsames Kooperationsprojekt mehrerer sozialwissenschaftlicher Fachinformationsdienste, darunter dem Pollux für die Politikwissenschaft, stärkt SOCIOS den disziplinübergreifenden Dialog und macht offene Wissenschaft sichtbar und anschlussfähig.
Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit Scharpf seine Theorie zur Asymmetrie zwischen negativer und positiver Integration in seinem Buch „Regieren in Europa: Effektiv und demokratisch?“ ausformulierte. Die Frage, inwieweit seine Diagnose noch zum Verständnis des Integrationsgeschehens beiträgt, wird in den letzten Jahren in Politik- und Rechtswissenschaften kritisch diskutiert. Wir haben unsere Sicht der Dinge in einem frisch erschienen Beitrag in der Politischen Vierteljahresschrift dargestellt, dessen Ergebnisse wir hier zusammenfassen. Wir bezweifeln, dass die europäische Wirtschafts- und Sozialintegration die von Scharpf diagnostizierten Probleme hat überwinden können.
Peer Review gilt seit über 300 Jahren als Goldstandard wissenschaftlicher Qualitätssicherung. Doch ist das klassische Verfahren noch zeitgemäß? In einer zunehmend offenen Wissenschaftslandschaft wächst die Kritik – zu intransparent, zu langsam, zu wenig Anerkennung für Reviewer*innen. Open Peer Review verspricht Antworten, doch ein nachhaltiger Wandel erfordert mehr als gute Argumente.
In demokratischen Rechtsstaaten haben wir den Anspruch, dass transparente, neutrale, faire und nachvollziehbare Verwaltungsentscheidungen getroffen werden. KI-Anwendungen zur Bewertung von Szenarien werden allerdings oft als „Black Boxes“ empfunden. Der gängige Fall ist, dass menschliche Entscheider*innen Informationen heranziehen, die durch eine (wie auch immer geartete) KI in wenig nachvollziehbarer Weise generiert wurden – es besteht also eine Mensch-Maschine-Interaktion. Ein aktueller Beitrag in der Zeitschrift dms untersuchte, mit welcher Intention junge Verwaltungsentscheider*innen KI-generierte Informationen verwenden würden. Dazu wurden vier verschiedene Intentionen voneinander unterschieden: (1) eine direkte Übernahme der KI-Entscheidung, (2) eine reflektierte Entscheidung unter Berücksichtigung der KI-Empfehlung, (3) eine reine Kenntnisnahme der Empfehlung sowie (4) ein Ignorieren des KI-Systems. Jede Nutzungsintention ließ sich unterschiedlich durch die Faktoren Einfachheit der Nutzung, Systemleistung, Kompetenzerleben, KI-Expertenvertrauen und KI-Überlegenheit erklären.
Flucht und Migration sind auch international politisch hoch umstrittene Themen. Infolgedessen ist die formale Politikgestaltung in diesem Feld häufig erschwert. Dies führt dazu, dass internationale Organisationen über nur stark begrenzte Mandate verfügen. In diesem Beitrag zeige ich, dass internationale Akteure trotz fehlender umfassender offizieller Kompetenzen die globale Migrations- und Asylpolitik gestalten – durch ihre Praxis vor Ort. Durch improvisierte Entscheidungen im Feld und die anschließende Stabilisierung lokaler Lösungen regieren sie Asyl und Migration auf informelle Art und Weise.
Warum löst der Niedergang der Industrie nicht überall denselben populistischen Reflex aus? Tatsächlich entscheidet weniger die Schwere des wirtschaftlichen Niedergangs als vielmehr die Frage, ob der Arbeitsplatzverlust schon eingetreten ist oder erst befürchtet wird. Menschen in ehemaligen Industrieregionen, in denen Arbeitsplätze bereits weggefallen sind, wählen häufiger linkspopulistisch, während Personen in Regionen mit nach wie vor starker Industrie und drohender Zukunftsunsicherheit eher rechtspopulistisch stimmen. Somit ist nicht nur die ökonomische Situation, sondern insbesondere deren Interpretation und emotionale Verarbeitung für populistisches Wahlverhalten ausschlaggebend.
Open Access setzt sich mehr und mehr als Publikationsform durch. Dieser Trend zeigt sich trotz disziplinspezifischer Unterschiede deutlich, so auch in der Politikwissenschaft. Mit Open Access verbinden sich verschiedene Geschäftsmodelle und durch die Strukturen des wissenschaftlichen Publikationsmarktes sind mit der Open-Access-Transformation wissenschaftspolitisch brisante Fragen verbunden.
Die AfD bewegt sich in jüngsten Jahren zunehmend in Richtung Rechtsextremismus. Eine aktuelle empirische Analyse zeigt, dass sich die Wählerschaft der AfD in diesem Zuge zunehmend auf eine extrem rechte Kernanhängerschaft konzentriert hat. In Krisenzeiten scheint es der AfD dagegen zu gelingen, auch Wählersegmente außerhalb der Kernanhängerschaft zu mobilisieren.
Pollux bietet Forschenden eine einfache Möglichkeit, politische Textsammlungen (Korpora) auf der neuen Plattform Pollux Political Corpora (PoliCorp) (https://demo-pollux.gesis.org/) zu durchsuchen und zu analysieren. PoliCorp bietet Politikwissenschaftler*innen und interdisziplinär Forschenden Zugang zu strukturierten Daten, die über die Web-Suchschnittstelle leicht durchsuchbar sind. Die Plattform enthält derzeit Daten aus dem GermaParl-Korpus - eine Sammlung von Transkripten von Bundestagsdebatten, die 72 Jahre Parlamentsdebatten - von 1949 bis 2021 - abdeckt und über 958.000 Redebeiträge umfasst.
Im neuen Bundestag wird sich vieles ändern: Er wird kleiner. Er wird ideologisch weiter rechts angesiedelte Mehrheiten haben. Und er wird männlicher. Bei der Wahl am 23. Februar 2025 wurden nur 32,38% Frauen gewählt, während es 2021 noch 35,20% waren. Wir analysieren wie die Verschiebung der politischen Mehrheiten nach rechts und die Wahlrechtsreform sich auf den sinkenden Frauenanteil im Parlament auswirken und diskutieren, was das kurz- und langfristig für die Repräsentation von Frauen bedeutet. Außerdem zeigen wir verschiedene Hebel wie paritätische Quotenregelungen oder Anreize für Parteien auf, um den beschriebenen Entwicklungen aktiv entgegenzuwirken.