Demokratiebildung in der Schule soll junge Menschen befähigen, informiert, urteilsfähig und aktiv an einer pluralen Gesellschaft teilzunehmen. Der Beitrag erklärt Demokratiekompetenz als Ziel dieser Bildung – verstanden als Bündel aus Wissen, Haltung, Handeln, Urteil- bzw. Medienkompetenz sowie sozialen Fähigkeiten. Zugleich zeigt er Grenzen: Schulen arbeiten in klaren Hierarchien, Lehrkräfte sind oft überlastet, und digitale Desinformation (wie KI-Deepfakes) erhöhen den Druck. Wirksame Demokratiebildung braucht deshalb realistische Formate, gelebte Beteiligungskultur, klare Wertearbeit und Kooperation mit externen Partnern.
Auch jenseits kommerzieller Verlagsmodelle lässt sich Open Access nachhaltig und qualitätsgesichert organisieren. Wie das konkret aussehen kann, zeigt das Open Gender Journal. Der Beitrag führt durch die Praxis der Redaktionsarbeit, beleuchtet Potenziale des digitalen Publizierens und spricht über Ressourcenfragen und Zukunftsaussichten. Dabei wird deutlich: Diamond-Open-Access-Initiativen eröffnen nicht nur kostenfreie Publikationswege, sondern gestalten das Wissenschaftssystem aktiv mit.
Sind Oppositionsparteien eher in der Lage, democratic backsliding durch die nationale Exekutive zu verhindern, wenn die Opposition mehr subnationale Regierungen kontrolliert? Basierend auf einem neuen Datensatz zu subnationalen Wahlergebnissen in 84 Demokratien (1990-2021) zeigt die Studie, dass oppositions-kontrollierte subnationale Regierungen helfen, die Demokratie auf der nationalen Ebene zu festigen. Dies gilt selbst in unikameralen und unitarischen Demokratien. Oppositionelle Gouverneur*innen und Bürgermeister*innen intensivieren die Prinzipal-Agent-Probleme der nationalen Exekutive und befähigen die Opposition, elektoral kompetitiv zu bleiben. Effektiver Widerstand gegen democratic backsliding erfolgt somit auch in oppositions-kontrollierten Städten und Regionen.
Weltweit gewinnen rechtsradikale und rechtsextreme Parteien an Einfluss und gefährden liberale Demokratien durch ausgrenzende, nationalistische und autoritäre Politik. Meine Dissertation zeigt, dass öffentliche Debatten entscheidend zur Verankerung der äußersten Rechten beitragen, ihnen Legitimität verleihen und ihren politischen Einfluss stärken. In Deutschland hat der Einfluss rechtsextremer und rechtsradikaler Akteure und Ideen auf mediale Debatten und demokratische Parteien in den letzten 30 Jahren kontinuierlich zugenommen, insbesondere in Debatten über kulturelle Themen wie Migration und Islam. Rückenwind erhielten sie durch kritische Ereignisse wie Terroranschläge, die ihnen erhöhte Sichtbarkeit, Resonanz und Legitimität verschafften. Die umfangreichen Analysen meiner Dissertation verdeutlichen, wie sich die Grenzen des Sagbaren schrittweise verschoben haben und rechtsextremes Gedankengut salonfähig geworden ist.
Wie entsteht das Wissen über die Länder und Regionen, in die deutsche Außenpolitik interveniert? Wir stellen eine Studie über die Wissensproduktion in Deutschland zu Afghanistan vor. Eine Datenbank mit 133 Afghanistan-Expert*innen bildet die Grundlage. Wir stellen fest, dass das außenpolitische Wissen zu Afghanistan in Deutschland grundsätzlich zwischen Wissenschaft, Denkfabriken und Politik zirkulieren kann. Trotzdem bleibt der Austausch zwischen der Wissenschaft und dem Expertenwissen der Politik schwierig. Zudem schränkten Strukturen der Wissensproduktion die Qualität des Wissens und dessen Kommunikation ein.
Das Projektseminar verbindet qualitative Forschungstechniken mit politischen Praxisproblemen und fördert die selbstständige, studentische Projektarbeit. Studierende erlernen, wie wissenschaftliche Methoden (z.B. bei der Fallauswahl oder durch Prozessanalysen) bei der Beantwortung von Forschungsfragen, aber auch bei der Formulierung von politischen Handlungsempfehlungen helfen können. Besonders betont wird die enge Zusammenarbeit mit Akteur*innen aus dem Bereich der Digitalpolitik, wodurch die Studierenden praktische Erfahrungen sammeln und ihre Ergebnisse vor politischen Entscheidungsträger*innen präsentieren lernen.
Das Erasmus+ Blended-Intensive Programme (BIP) „Digital Constitutionalism and the UN Global Digital Compact“ war das erste an der Universität Bremen koordinierte BIP und brachte im April 2024 Studierende und Lehrende aus acht europäischen Hochschulen zusammen. Ziel war die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem UN-Prozess zum Global Digital Compact und der Erforschung von Menschenrechtspolitik im digitalen Raum. Im Zentrum standen forschendes und praxisorientiertes Lernen, etwa durch die gemeinsame Erstellung von Policy Briefs und die Teilnahme an der EuroDIG-Konferenz. Für die Politikwissenschaft bot das BIP ein innovatives Lehrformat, das theoretische Fragen globaler Governance mit praktischer Politikgestaltung verband und Studierenden Einblicke in internationale Regulierungsprozesse digitaler Technologien ermöglichte.
Wie lässt sich Digitalpolitik in ihrer Komplexität und Dynamik erfahrbar machen? Das im Studium Fundamentale an der Universität Erfurt durchgeführte Seminar „Doing Digitalpolitik“ antwortet auf diese Frage, indem es zwei, jeweils eintägige Planspiele miteinander verknüpft: Das erste fokussiert auf allgemeine Handlungslogiken, indem die Studierenden im fiktiven Staat „Novandia“ über die Einführung einer gemeinwohlorientierten Plattform entscheiden müssen – begleitet von öffentlichen Diskursen in einer simulierten Medienlandschaft. Spiel zwei setzt stärker auf die Vermittlung von Institutionenwissen und reale Politikprozesse, indem es den EU-Trilog zur CSAM-Verordnung, die sogenannte „Chatkontrolle“, nachbildet und die Studierenden in die Rolle der Verhandlungsführer bringt.
Die Winter School zum Thema „Inclusive Water Management in Southern Africa for Improving Gender Equality and Reducing Poverty & Vulnerability“ im Masterstudiengang „Sustainable Development Management“ an der Hochschule Rhein-Waal (HSRW) bietet Studierenden die Möglichkeit, direkte theoriegeleitete Einblicke in konkrete Praxis zu erhalten. Didaktisch ist die Winter School als Simulation eines Expert*innenteams konzipiert, das in Eswatini – einem Binnenstaat im südlichen Afrika mit ca. 1,2 Mio. Einwohner*innen – einen Beratungsauftrag für zwei Wasserbehörden zum Thema Gender, Armut und Vulnerabilität auf dem Weg zu einem inklusiven Wassermanagement durchführt. Dass diese Simulation so realistisch umgesetzt werden kann, ist der Kooperation von HSRW und der Blue-Deal-Partnerschaft zwischen den niederländischen Wasserbehörden mit dem Joint River Basin Authorities-Project Board und dem Eswatini Water and Agricultural Development Enterprise zu verdanken. Gastlehrende aus allen genannten Institutionen tragen zum Erfolg der Winter School bei. Ausgestattet mit theoretischem, methodischem und praktischem Input von den Professor*innen und externen Expert*innen analysieren die Studierenden lokale Probleme und entwickeln konkrete Lösungen. In diesem Jahr nahmen 26 Studierende aus 13 Ländern aus verschiedenen Kontinenten teil, seitens der HSRW als auch, dank des AGEP-Programms (Arbeitsgemeinschaft der Aufbaustudiengänge mit besonderem Bezug zu Entwicklungsländern), – den Universitäten Berlin, Bonn, Dortmund, Freiburg, Passau und Stuttgart.
The Research Colloquium on Triangular Cooperation was established in February 2024 as a monthly virtual platform for student presentations and science-policy exchanges on triangular cooperation, i.e. a development cooperation modality that includes at least three partners and combines established North-South and South-South cooperation formats. Colloquium participants have included Master’s and PhD students as well as more senior researchers and practitioners – including government officials and representatives from international organisations – from Australia, Brazil, Germany, Ghana, India, Indonesia, Mexico, the United Kingdom and Zambia. Participants have highlighted three Colloquium features as particularly valuable: (1) its interdisciplinary approach to academic research where political scientists regularly engage with colleagues from area studies, agronomy, nutrition studies or public health; (2) its transdisciplinary setup where students and their mentors create a space for exchange with government officials and representatives of international organisations; and (3) its cross-continental nature that has inspired participants to form a research-focused community beyond Colloquium sessions. The Colloquium is co-organised by four institutions: the German Institute of Development and Sustainability (IDOS, Germany), Instituto Mora (Mexico), Technische Universität Darmstadt (Germany), and the University of the Sunshine Coast (USC, Australia).