Im Rahmen des Aufbaumoduls "Politisches System der BRD" führen Studierende eine EU-Simulation durch, bei der sie als Minister*innen über die Effort-Sharing Verordnung zur europäischen Klimapolitik verhandelten. Die Simulation basiert auf echten Verhandlungsdaten und ermöglicht den Studierenden, den komplexen europäischen Rechtsetzungsprozess hautnah zu erleben. Durch das Einnehmen verschiedener Länderperspektiven und realitätsnahe Verhandlungen lernen die Studierenden die institutionellen Logiken der EU sowie typische Interessenkonflikte zwischen den Mitgliedstaaten kennen.
Das Seminarkonzept „Den Finanzplatz Frankfurt erforschen“ basiert auf dem didaktischen Ansatz des forschenden Lernens und soll Studierende anleiten, den Finanzplatz Frankfurt mithilfe eigener kleiner Forschungsprojekte „vor Ort“ zu erforschen. Durch Exkursionen zu Institutionen des Frankfurter Finanzplatzes und Interviews mit Akteuren aus der Praxis wird das komplexe Thema „Finanzmärkte“ für die Studierenden erfahrbar. Sie lernen in diesem Rahmen die erlernten Inhalte eigenständig zu vertiefen und Methodenkenntnisse fallbasiert anzuwenden.
Das Seminar vermittelte die theoretischen und methodischen Kenntnisse und Fähigkeiten, um Demonstrationen zu verstehen und zu erforschen. Dafür erlernten die Studierenden die Methode der systematischen Demonstrationsbefragung und wendeten diese beim Christopher Street Day in Marburg an. Im Anschluss unternahmen die Studierenden zudem qualitative Interviews mit Organisator*innen der Demonstration, um tiefergehende Erkenntnisse zu generieren. Die Ergebnisse wurden als Working Paper des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung veröffentlicht. Wesentlich für dieses Seminar war Teamwork: alle Entscheidungen wurden gemeinsam getroffen, Schritte partizipativ geplant und umgesetzt und anschließend reflektiert.
Das Seminar „Nukleare (Un-)Ordnung im Wandel: Herausforderungen bei der Kontrolle, Nichtverbreitung und Abrüstung von Atomwaffen“ führte Studierende in zentrale theoretische und praktische Fragen der globalen Nuklearpolitik ein. Durch den Einsatz interaktiver Lernmethoden wurde gezielt kritisches Denken gefördert. Neben der Auseinandersetzung mit kritischen Perspektiven und aktuellen Herausforderungen – etwa dem russischen Angriffskrieg oder dem nordkoreanischen Atomprogramm - vermittelten Gastvorträge wertvolle Einblicke in die Praxis. Ein Exkursions- und Projektarbeitskonzept förderte eigenständige, problemorientierte Forschung zu Themen rund um Nuklearkrieg und nukleares Vergessen. Die positive Resonanz sowie die Publikation sehr guter Projektarbeiten unterstreichen den Erfolg des Lehrprojekts.
Die DVPW und die Schader-Stiftung haben in diesem Jahr bereits zum fünften Mal den „Lehrpreis Politikwissenschaft“ verliehen. Der Preis hat zum Ziel, die besondere Bedeutung der Hochschullehre in der Disziplin sichtbar zu machen und die Qualität der Lehre in der deutschen Politikwissenschaft zu stärken. Ausgezeichnet werden können Lehrprojekte, die inhaltlich und/oder methodisch innovativ sind und sich durch eine besonders gute Didaktik und herausragendes Engagement der Lehrenden auszeichnen. 2025 hat die Jury den Lehrpreis Dr. Carmen Wunderlich vom Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen für ihr Hauptseminar „Nukleare (Un-)Ordnung im Wandel: Herausforderungen bei der Kontrolle, Nichtverbreitung und Abrüstung von Atomwaffen“ zuerkannt, das sie im Wintersemester 2024/2025 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg durchgeführt hat.
Bei der Analyse des Wahlverhaltens hat sich in den letzten Jahren vermehrt gezeigt, dass neben den klassischen Ansätzen (rational choice, makro-/mikrosoziologisch, langfristige Parteiidentifikation) auch psychologische Ansätze (z.B. Big Five) erklärungskräftig sind. Angesichts steigender Volatilität bei Wahlen überprüfen wir, basierend auf drei Wellen des Politikpanel Deutschland aus den Jahren 2022 und 2023, inwiefern bestimmte Persönlichkeitsmuster gemessen über die Big Five (a) mit dem Wechsel der Wahlabsicht generell und (b) mit der Populismusanfälligkeit, operationalisiert über den Wechsel hin zur AfD, zusammenhängen. Es zeigt sich, dass Offenheit und Gewissenhaftigkeit direkt die Wahrscheinlichkeit erhöhen, die eigene Wahlabsicht zu wechseln. Ein direkter Effekt der Big Five auf den Wechsel zur AfD lässt sich nicht feststellen. Mediationsanalysen zeigen allerdings, dass die Persönlichkeitsstruktur über die politisch-ideologische Selbstverortung indirekt die Populismusanfälligkeit bedingen kann.
Emotionen prägen politische Themen und Debatten – und damit auch den Politikunterricht. Eine aktuelle Analyse von 1.500 Fortbildungen für Lehrkräfte zeigt jedoch, dass Emotionen in den Professionalisierungangeboten bislang kaum von Relevanz sind. Das ist problematisch, denn ohne den bewussten Umgang mit Wut, Angst oder Hoffnung laufen Lehrkräfte Gefahr, wichtige Diskussionen im Klassenzimmer zu vermeiden. Der Beitrag beleuchtet, wo die größten Lücken liegen und warum es dringend Zeit ist, emotionale Kompetenzen in der Lehrkräftebildung zu stärken.
Die Vermessung der Publikationslandschaft und Analyse von Publikationsnetzwerken ermöglichen Aussagen zu Reichweite und Einfluss von Forschung. Damit wird ein „Impact“ unterstellt, der auf quantitativen Daten beruht, aber zu qualitativen Aussagen führt. Der Blogbeitrag thematisiert diese Situation und berichtet von alternativen Wegen der Evaluation.
Die Frage, ob TikTok der AfD zu Stimmenzuwächsen unter jungen Wählenden verhilft, wird häufig in der öffentlichen Debatte diskutiert. Ergebnisse einer neuen Studie zur Social-Media-Nutzung während der Europawahl 2024 zeigen jedoch: Erhöhte TikTok-Nutzung führt nicht unbedingt zur Stimmabgabe für die AfD.
Die Minderpräsenz von Ostdeutschen in Spitzenpositionen verschiedener Bereiche wie im Öffentlichen Dienst oder der Wirtschaft, die als eine Ursache für die im Osten Deutschlands größere Unzufriedenheit mit der Demokratie der Bundesrepublik Deutschland gilt, trifft nicht auf die Vertretung von Ostdeutschen in den Bundesvorständen der politischen Parteien zu. Vielmehr weisen die Parteien je nach Vergleichsmaßstab und Definitionskriterium für eine ostdeutsche Zugehörigkeit sogar häufig eine Überrepräsentation auf. Ein Blick auf die Parteien kann lohnend für die breitere Repräsentationsdebatte sein.